Himmlisch abgestaubt

Ein nasses Tuch kann in einer Kirche großen Schaden anrichten. Kommt bemaltes Holz mit Wasser in Kontakt, droht schlimmstenfalls die Bemalung zu zerfallen – insbesondere wenn darunter ein Kreidegrund liegt. Denn Kreide saugt Feuchtigkeit auf, ein wertvoller Kunstschatz kann so unwiederbringlich zerstört werden. Damit solche Fehler vermieden werden, schulen Profis die Messdiener:innen und Kirchenpfleger:innen. Bei heiklen Stellen legen sie selbst Hand an. Einer dieser Experten ist Heimo Kaindl. Der Direktor und Diözesankonservator des Diözesanmuseums Graz hat sogar ein Handbuch zum Thema mitverfasst: „Schöne Kirche“ ist die „Bibel“ für das Reinigen und Pflegen kirchlicher Kunst- und Kulturgüter. Was dafür nötig ist: ein paar Grundregeln und Geduld.
Grundregeln für die Reinigung:
„Putzmittel richten mehr Schaden an, als sie nutzen“, erklärt der Reinigungsprofi. Seine Empfehlung lautet: „Abstauben reicht in den meisten Fällen völlig aus.“ Doch selbst beim Abstauben gibt es wichtige Regeln. Die wichtigste: immer von oben nach unten arbeiten – und das richtige Werkzeug wählen. „Am besten eignet sich ein Lammfellwedel“, sagt Kaindl. Mikrofasertücher und chemische Reinigungstücher können Sandpartikel enthalten, die wie Schleifpapier wirken und empfindliche Oberflächen beschädigen. Auch für den Haushalt empfiehlt er den Lammfellwedel. Dieser ist leicht zu reinigen: einfach im Freien gründlich ausklopfen. Gewaschen sollte er nur bei starker Verschmutzung werden: „Nur von Hand mit lauwarmem Wasser ausspülen und gut durchtrocknen lassen. Eigentlich ist die natürliche Beschichtung des Lammfells selbstreinigend.“
Ob in der Kirche oder zu Hause: Putzmittel sollten sparsam verwendet werden. Für Steinböden empfiehlt Kaindl Schmierseife. „Je natürlicher die Produkte sind, desto besser.“ Duftzusätze sollten möglichst weggelassen werden, und auch beim Waschmittel gilt: Weniger ist mehr. „Die Hälfte der empfohlenen Menge reicht völlig aus.“
Wie man Kerzenwachs entfernt: In Kirchen brennen oft Kerzen. Aber wie entfernt man Wachsflecken? Kaindl rät zu einem bewährten Trick: „Löschpapier funktioniert am besten. Notfalls tut es auch Zeitungspapier. Auf den Fleck legen und mit einem mittelwarmen Bügeleisen darüberstreichen, bis das Wachs aufgesogen ist.“ Nachhaltige Bienenwachskerzen hinterlassen keine Fettrückstände. Deshalb sind sie billigen Kerzen vorzuziehen, die oft Erdöl oder Palmöl enthalten und hartnäckige Flecken verursachen.
Auch Motten können in der Kirche und daheim zum Problem werden. Kaindl rät zu natürlichen Mitteln wie stark riechenden Seifen oder Lavendel, die man zur Wäsche legt. Außerdem sollte man die Kleidungsstücke immer wieder gut auslüften.
Und was ist mit Weinflecken? Weinflecken sind in der Kirche selten ein Problem – schließlich wird bei der Eucharistie Weißwein verwendet. Aber warum? Blut ist doch rot! Kaindl: „Weißwein wurde eingeführt, um Flecken zu vermeiden. Wenn mal ein Tropfen danebengeht, fällt es nicht auf.“
Schöne Kirche
Handbuch zur Pflege kirchlicher Kunst- und Kulturgüter.
Roland Peter Kerschbaum, Eva Voglhuber, Rudolf Silberberger, Markus Zechner, Othmar Lässer, Wolfgang Huber, Elena Holzhausen, Barbara Taubinger
Herausgegeben von Heimo Kaindl, Rosmarie Schiestl und Karin Mayer
Verlag Diözesanmuseum Graz